Der eingezogene Tag
Sie heben Hände in dem hohen Raum,
um über Jugend fremder Art zu richten.
Als wäre Zeit ein abtrennbarer Saum,
den man beschneiden darf in den Geschichten,
um ihn dem Staat als Kleidungsstück zu geben.
Nun kehrt es wieder: jenes Strammestehen,
das wir vergessen glaubten, wie ein Leid,
das heilte. Doch sie wollen es wiedersehen:
Das Eingereihtsein in die Dienstbarkeit.
Der junge Mann, der eben noch er selbst,
wird nun Gefäß für einen fremden Willen,
ein Ding, das man in graues Tuch verhüllt.
Er fühlt, wie er aus seiner Mitte fällt.
Und draußen warten stumm die Kasernen,
wie große Schalen, um den Lärm zu stillen,
darin ein Herz das Wir statt Ich erfüllt.
Die Entscheidung der Hölzer
Sie sitzen tief in ihren hohen Sälen,
wo Atemluft zu Paragraphen friert,
und lassen Worte durch die Hände strömen,
bis sich ein Sinn im Ungewissen wählt.
Sie haben heute über das entschieden,
was draußen dunkel an die Himmel stößt:
Den alten Wald. Er hat sie nicht gegrüßt,
er steht nur da, von keinem Wort gemieden.
Sie aber schreiben auf sein eigenes Fleisch
auf weißes Blatt, das einst im Winde wehte
ein Urteil, das die Strenge von ihm nahm.
Nun darf er fallen, leise und ganz weich,
weil es der Markt und weil es das Gerät
so will. Und keiner fühlt den Scham.
Wer jetzt den Baum nicht ehrt, wird ihn verlieren.
Wer jetzt die Axt aus Tinte schleift, wird bald
in einer Welt aus Stein und Glas erfrieren
und niemals mehr den tiefen, dunklen Wald
in sich gewahren, wenn die Stille fällt.
Das Grüne schwindet. Und sie lenken Welt.